Hufrehe

Keine andere Erkrankung des Pferdes erschüttert den Pferdebesitzer mehr als die Diagnose Hufrehe......ich möchte Ihnen Mut machen daran zu glauben, dass Hufrehe heilbar ist. Sie müssen nur die richtigen Maßnahmen anwenden.

Pathologie:

Grob gesagt ist die akute Hufrehe die Entzündung der Lamellenlederhaut, auch Hufbeinträger genannt. Der Hufbeinträger ist wie ein Klettverschluss aufgebaut, der bei einer akuten Rehe aufreisst. Dabei stellen sich oftmals Pulsation, erhöhte Wärme im Bereich des Kronrandes und ganz typisch die übertriebene Trachtenfussung ein. Ich bin überzeugt, dass die akute Hufrehe lange vor ihrem eigentlichen Geschehen schon vorher deutliche Signale zeigen lässt. Ein multifaktorielles Geschehen läßt den Huf dann vollends kollabieren, die akute Hufrehe ist da.

 

Behandlung:

 Das primäre Ziel heisst: Runter vom Schmerz.
Enzymatische Prozesse sorgen bei andauerndem Schmerzzustand dafür, dass gesundes Gewebe zerstört wird. Die Entzündung sollte schnellstens abgestellt werden.
Als allererste Notfallmassnahme ist das Beste, die Hufe in Eiswasser/Crushed Eis zu kühlen.

Der Tierarzt sollte ein Schmerzmittel verordnen, um die Entzündung zu stoppen und es sollte ein Strahlpolsterverband angelegt werden.
Das Strahlpolster sorgt für eine mechanische Erleichterung des Hufbeinträgers, und gibt dem Pferd recht schnell wieder Laufkomfort.
Das Pferd sollte, solange es Schmerzmedikamente bekommt, nicht viel rumlaufen.
Aufgrund des fehlenden Schmerzempfindens laufen die Tiere zuviel rum und überlasten den immer noch erkrankten Hufbeinträger.
Ein kleiner Auslauf mit Stroheinstreu und etwas ebener Lauffläche hat sich bewährt. Die Blutegelbehandlung kann zusätzlich helfen das seröse Gewebe von seinem Abfall zu befreien.
Der Strahlpolsterverband sollte im maximal vier Wochen Abstand mindestens zwei-dreimal gewechselt werden. Zu frühes Weglassen des Strahlpolsters kann den empfindlichen Hufbeinträger erneut kollabieren lassen.

Danach wird die Therapie mit Hufschuhen fortgeführt, bis der Huf mindestens zur Hälfte durchgewachsen ist. Was die Fütterung angeht, so bin ich ein strikter Gegner von Futterreduktion. Es geht nicht darum die Futtermenge zu reduzieren, das verursacht erneuten Stress.
Stress lässt Cortison im Körper aktivieren, welches sich fördernd auf den entzündlichen Prozess auswirken kann. Es geht darum, den Zuckergehalt niedrig zu halten. Kalorisches Heu kann auch bei kleinen Mengen immer wieder Schübe auslösen, da der Blutzucker dann wie eine Achterbahn hochschnellt. Auf diese Weise wird das Insulin ebenfalls hochkatapultiert. Ein Teufelskreislauf. Runter mit dem Zucker und rauf mit der Menge, damit die Tiere so stressfrei wie möglich sind. Engmaschige Heunetze können dabei unterstützen, die Menge evtl. geringer zu halten und dem Pferd trotzdem ausreichend Futterzugang zu gewähren. 
 

 Ich habe für diese besondere Situation inzwischen Heuhändler ausfindig gemacht, die im Notfall Heu mit niedrigem Zuckergehalt zur Verfügung stellen können. Auf diese Weise kann ich aus meiner Position ein "Rundum" Paket anbieten. Da ich selbst Rehepferde habe, weiß ich, dass vieles möglich ist. Futterreduktionsstress ist jedoch nie eine Option für mich gewesen. 

Sofern Ihr Pferd immer wieder unter wiederkehrenden Schüben leidet, lassen Sie Ihr Heu analysieren und machen Sie optimalerweise einen Insulinresistenztest. 

Die besten Heuergebnisse für stoffwechselempfindliche Pferde liegen im Gesamtzuckergehalt bei bis 5% und im Fruktanwert bei  3 %. Bei diesen Werten ist eine grosszügige Heufütterung oder gar ad libidum absolut möglich. Heu dieser Qualität zu bekommen ist leider schwierig. Wenn Sie Heu bekommen können mit einem Gesamtzuckergehalt von ca 7 % und einem Fruktangehalt von maximal 3-4 %, dann sind Sie gut versorgt. Lassen Sie Ihr Heu testen, wenn Ihr Pferd immer wieder zu Schüben neigt.

Eine Rotation oder Absenkung ist heilbar. Es bedarf jedoch eines konsequent abgestimmten Komplettpaketes und Geduld. 


 

 








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