Was mich so beschäftigt und warum ich darüber erzähle - Gedanken und Stimmungen-

 

Als mir vor Kurzem ein Kunde nach 4 Jahren Zusammenarbeit aufkündigte, passierte etwas mit mir.
Ich mein, es passiert ständig etwas mit mir, so ist es nicht, aber diesmal war es anders, es war intensiver. Als hätte man einen eitrigen Pickel aufgedrückt und einen Seufzer der Erleichterung abgegeben.
Natürlich ist jeder Kunde wichtig, wenn auch es nicht immer passt. Aber so ist das Leben, da muss man sich nichts vormachen.


Der Punkt war, dass es hieß ich hätte mich verändert und für die sensible Arbeit an den Pferden benötige man ein harmonisches Umfeld.
Die Pferde waren das Jahr davor umgezogen und an bestimmten Stellen des Geländes waren sie immer noch unruhig und hampelten rum. Und ja, das nervte mich gewaltig, weil ich wusste warum. 

Diese Pferde waren vielleicht immer noch unruhig, weil es vermutlich keine angemessene Routine und Kontinuität im Umgang mit ihnen gab.

Und da war es wieder, aber diesmal war es deutlicher:

Dieses HARMONIEBEDÜRFNIS.....ja, wer will es nicht, in völliger Harmonie mit seinem Pferdchen leben und es bestenfalls bei einer Tüte Chips mit auf die Couch nehmen. 
Ok, das ist jetzt gemein. 


Auch ich strebe nach totaler Harmonie mit meinen Pferden....aber total....wirklich! 

Nicht nur mit meinen Pferden oder generell meinen Tieren, sondern insgesamt mit meinem ganzen Leben.

Aber wie in jeder Beziehung, auch und vor allem zwischen Menschen, ist Harmonie nichts, was man geschenkt bekommt.
Weder von Mensch noch von Tier. Denn Harmonie setzt Vertrauen und Verlässlichkeit voraus, und dieses wiederum Kontinuität und Gewohnheit. Harmonie muss man sich schon erarbeiten. Aber der Mensch ist nun mal ein Romantiker. 

Gewohnheit entsteht aus einem kontinuierlichen gleichgearteten sich wiederholenden Prozess. Ein gewohnter Prozess schafft Sicherheit, und diese wiederum Vertrauen, Basis für langfristige Harmonie. Und da wären wir wieder am Ende der Verkettung.
Eigentlich einfach oder? 

Was für alltägliche Prozesse bzw. Routine gilt, die wir in unserem Leben zu bewältigen haben, gilt ebenso für den Geist und für den Körper.
Das Manifestieren neuer Muster setzt eine permanente Wiederholung in angemessener Weise voraus. Denn auf diese Weise bilden sich neue neuronale Verbindungen, die wiederum eine neue Zellaktivität ansprechen. Und das nenne ich dann Lernverhalten. Tiere sind stets bereit zu lernen und sich den Lebensbedingungen anzupassen. 

Doch der Mensch oft nicht. Er will Recht behalten, seine Meinung durchsetzen und zieht eine hohe Schutzmauer und verbarrikadiert sich hinter seiner Borniertheit,  anstatt in einen emotional neutralen Dialog zu treten und eventuell neue Ansichten für sein Leben als Verbesserung zu betrachten. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Menschen unglücklich sein WOLLEN. 

Ich weigere mich aktiv gegen Menschen, die mich mit ihren negativen Energien mitreißen wollen. Und mit negativen Energien meine ich jegliche Art von Energien, die Kraft kosten anstatt Kraft bringen.

 
Methoden

Ich hasse mechanisierte Methoden, die zum Nachäffen vermarktet werden. Join up, seven games, equikinetic usw. Mein Weg.....Bewusstsein schaffen, Bewusstsein leben, bewusst sein.

 

 Nicht dass diese Sachen falsch sind, sicherlich haben sie alle ihre Berechtigung, vor allem durch ihre Erfinder sicher perfekt angewandt. Aber trotz aller Bemühungen mit all diesen guten Methoden, werden die Pferde immer kränker, immer desolater in ihrer körperlichen und mentalen Verfassung. Immer mehr Methoden kommen auf den Markt.

 
Warum?

Sorry, das kann nicht alles an der Zucht liegen.

Ich glaube, weil die heutigen Menschen einen Erfolg wollen, bestenfalls einen schnellen, ohne den Weg des Prozesses zu gehen. Den Prozess, der vor allem sie und ihre Einstellung und ihren Umgang mit dem Pferd betrifft. Und nicht den Prozess, wie sich das Pferdt technisch entwickelt, denn diese Entwicklung passiert unweigerlich, wenn der Mensch begriffen hat, dass ER sich entwickeln muss. 

Man kann ein Pferd nicht verändern, wenn man sich selbst nicht verändert.
Denn das Leben ist ein ständiger Wandel durch die Zeit, und innerhalb unserer Lebenszeit gibt es kein Endresultat bzw. Endergebnis.
Leben bedeutet sich den Bedingungen anzupassen, aus ihnen zu lernen und sich erneut anzupassen usw. insofern ist das Leben ein dauerhafter Lernprozess mit immer aufkommenden kleinen Resultaten.
Niemals aber kommt man bei DEM EINEN Resultat an.
So aber gehen wir mit unseren Pferden um.
Es MUSS immer zu etwas führen. Und wenn nicht, dann ist der Frust gross. 

Warum frustriert es die Menschen, wenn sie keine großen Erfolge haben? Sie haben ja Erfolge, jeden Tag einen ganz kleinen oder zwei, nur sehen sie sie nicht, weil sie auf das große Ganze fixiert sind.
Und selbst wenn sie eventuell doch das große Ganze erreichen, dann ist es für sie ganz selbstverständlich.
Demut, Dankbarkeit, Würdigung, Respekt......Fehlanzeige.
So wie mit den Pferden umgegangen wird, so gehen die Menschen auch mit sich und ihrem Leben und ihrem Geist um.
Sie kämpfen und verbauen sich gegen sich selbst, verkopfen sich anstatt loszulassen und zuzulassen.
Groll, Stress, Oberflächlichkeit blockiert sie, das Wesentliche zu erkennen.


Dominanztraining ist mein Lieblingswort.

Keine Ahnung, wer es etabliert hat, jedoch ist der Begriff per se ein völliger Widerspruch zu dem Harmoniebedürfnis. Ich will ein Geschöpf dominieren, mit welchem ich harmonisch auskommen möchte......tut mir leid, ist für mich sinnbefreit. Ich glaube in vielen Fällen für die Pferde auch.

Mir persönlich liegen die Begriffe, Achtsamkeit, Aufmerksamkeit, Zugewandtheit und Fokus eher. Sie sagen etwas Warmes und Beruhigendes aus.
Sie sagen auch etwas darüber aus, wie ich mit mir und meinen Tieren umgehe. 

Nach diesen Prinzipien versuche ich mich weiter zu entwickeln, und um vielleicht auch Menschen zu erreichen, die spüren, dass irgendwas nicht passt aber sie nicht wissen, wie und was sie ändern können. 
Die Projektion der Pferde auf mich ist meistens die Projektion ihrer Menschen auf mich. 

 Dann sind da noch die Verstärkungstechniken...positive und negative Verstärkung.
Man kann auch altmodisch Zuckerbrot und Peitsche dazu sagen.
Nur das eine funktioniert nicht.....beides zusammen ist für mich eine gute Sache.

Will ich was vom Pferd, dann lobe ich es zur rechten Zeit, wenn es verstanden hat. Der einfachste Weg, das Pferd auf seine Seite zu holen, und das passiert schnell. Positive Verstärkung  zur rechten Zeit angewandt, machst du dir jedes Pferd zum Freund. Warum Energie verschwenden mit Zwangsvertrauen, wenn es so einfach geht. Warum wollen soviele, dass ihr Pferd ihnen vertrauen MUSS ohne wenn und aber? 

Das körperliche Training eines Pferdes ist in der heutigen so vielschichtigen Ausbildungsmethodik auch eine echte Herausforderung. 


Ich setze da auf solides Handwerk, um es vereinfacht zu erklären. Vorwärts Abwärts für verspannte Rücken, Herstellung der Balance, Langzügel und Doppellongenarbeit, Kappzaumarbeit, Reiten im Entlastungssitz und am Ende vielleicht ein Pferd in relativer und ehrlicher Aufrichtung am losen Zügel.

So viele Reiter klagen über die verklemmten Rücken ihrer Pferde, doch außer dass regelmäßig Osteopathen und Physiotherapeuten das Pferd behandeln, ändern sie nichts an ihrem Tun. 

Bevor mir  möglich war,  diese Trainingsvarianten an meinem Pferd anwenden zu können, musste ich jedoch eine jahrelange Metamorphose und Transformation der Selbsterkennung durchlaufen. Und ich musste viel rumprobieren.

 

 Angekommen bin ich noch lange nicht. Herr Pferd entwickelt sich mit mir. Immer noch mit bald 25 Jahren.  Und so wird das bis zu seinem Lebensende sein.
 Er schöpft von dem, was ich an mir korrigiere. 

Und wahrscheinlich reichen 10 Leben nicht, um die Vollkommenheit zu erfahren.

Ich selbst bin Skoliosepatientin, habe unzählige Bandscheibenvorfälle und ein operiertes Knie. Und betreue diverse Kunden mit der Hufpflege. Da ich diesen Job noch lange machen möchte, weil er natürlich auch meinen Lebensunterhalt sichert, ist die Unversehrtheit meines Körpers und Geistes mein wichtigstes Gut. 

Was ich sagen will ist, auch wenn man seine Probleme schon hat und nicht mehr jung ist, so ist eine Verbesserung und Stabilisierung immer möglich. Körperlich wie geistig. Auch beim Pferd.

Man muss sich nur auf den Weg machen und zulassen.

Wenn Sie sich für weitere Gedanken interessieren, rufen Sie mich an.


Dehnungshaltung zu Korrekturzwecken am Kappzaum oder im Entlastungssitz. Für mich die Grundlagenarbeit.

Juni2011-Sept2013
Juni2011-Sept2013
20210121_091848
20210121_091848


  

Anrufen
Email