Spiritualität

 

Spiritualität verstehe ich nicht als Glaube an eine Gottheit, an eine Religion oder Esoterik, sondern eher als eine Vereinigung unserer physischen und mentalen Kräfte, unserer Einkehrung in eine innere Ruhezone frei von jeglichen lebensstörenden Gedanken. Leben bedeutet für mich im völligen Einklang mit meiner Natur und der universellen Schöpfung zu sein. 


Meine Ruhezone befindet sich in einem neutralen Bereich, der weder gut noch böse, traurig oder fröhlich kennt. Es ist eine emotional neutrale aber stille Zone, ein Bereich der absoluten Ruhe, der Erholung und des Fühlens. Und so angenehm sich diese Zone anfühlt, so störanfällig und sensibel ist sie auch.

   

Was den Umgang mit Tieren angeht, so empfinde ich es aus meiner persönlichen Sicht betrachtet als ein grundlegendes Problem, dass unsere Tiere überbeschallt und reizüberflutet sind. Das erfahre ich an mir selbst, wie unangenehm eine Geräuschkulisse oder Stimmgewirr sein kann, wenn man eher ein stiller Mensch ist. Das Pferd als verbal stumme Kreatur mit einem unglaublichen Hörsinn kann sich nach meinem Empfinden eigentlich nicht wohlfühlen und ich persönlich glaube, dass viele Verhaltensauffälligkeiten das Resultat unpräziser und lauter Kommunikation und unangenehmem Körperempfindens ist. 


Entweder führen Besitzer ganze Dialoge mit ihren Tieren oder die Tiere sind durch technisch angeeignete Methoden zur Erziehung oder zu Trainingszwecken vollkommen reizüberflutet, sodass die Bemühung nach einem Trainer notwendig wird (es wird aber nicht zwangsläufig besser). Dieses ist sicher ein Nebeneffekt unserer "Gefall- und Anpassgesellschaft". 
Es wird nachgeäfft, was mit einem selbst evtl nichts zu tun hat, ohne den Sinn und Zweck der Übung zu hinterfragen, weil es ja jeder so macht oder der Experte es so sagt. 


Umso mehr beklagen sich Besitzer im Umkehrschluss über ruppigen Umgang durch beispielsweise Hufexperten, da diese ein knappes Zeitkontingent haben und die Tiere nicht gut stehen (in diesem Zusammenhang schließe ich schlechtes Stehen durch Schmerzen aus).
Davon abgesehen ist gerade für weibliche Hufpfleger ein unruhiges zappelndes unkonzentriertes Pferd weit anstrengender als die Hufpflege selbst.


Leider ist die Einsicht der Besitzer oftmals gering, denn was früher militärisch gewalttätig war, ist heute die Laissez-faire-Einstellung.
Beides ist für die Tiere nicht vorteilhaft und auch nicht sinnig. Als Fluchttiere sind Pferde auf eine autoritäre aber souveräne Führung angewiesen.
Liebevolle Konsequenz nenne ich das.


Ich persönlich halte viele Umgangsformen für ein menschliches Kompensationsverhalten resultierend aus den heutigen gesellschaftlichen Ansprüchen und Lebensformen. Einem Pferd gewaltfrei zu begegnen und gewaltfrei Vertrauen zu schaffen hat nichts damit zu tun, es nicht aufzufordern sich für eine kurze Phase anzupassen. Wenn man mit Pferden natürlich umgehen will, muss man sie in der Wildnis lassen. Alles andere in Obhut des Menschen sind Kompromisse.  

 

Ein Pferd im Kreis zu scheuchen macht für mich genauso wenig Sinn. wie ein Pferd sich selbst zu überlassen und es einfach Pferd sein zu lassen. Der Weg dazwischen ist nicht so einfach und hat nur mit uns als andersdenkende Kreatur zu tun, die verlernt hat zuzuhören, still zu sein und einfach zu beobachten. 

Andererseits bemerke ich genauso oft fehlende Empathie für das Pferd, was ein eventuelles Schmerzempfinden oder Unwohlsein angeht. Pathologische Gangbilder, Trageerschöpfung des Rückens....es steht in einem vollkommenen Widerspruch zueinander.

Die Menschen sind heutzutage sehr nach außen fokussiert, sie suchen Anerkennung und Erkennung in den sozialen Medien, vergleichen und messen sich.

Mensch sein bedeutet eine große Bandbreite an Emotionen bereit zu haben. Die Tiere haben diese Bandbreite nicht.
Sie leben einfach.
Jetzt, nicht gestern und nicht morgen.


Stille wahren und einfach annehmen ist unter all den Lebenszwängen, unter denen Menschen sich heutzutage befinden eine echte Herausforderung. Und unglaublich viele Menschen leiden unter Zwängen und Angstzuständen im Bezug auf Ihr Pferd. Das ergibt eine garantierte Wechselwirkung zu dem Pferd.

Ich bin davon überzeugt, dass sich Überenergie immer in einer inneren Explosion entlädt und Schaden anrichtet. Kein Tier, keine Kreatur unseres Planeten verbraucht soviel Energie für selbst konstruiertes Leid als der Mensch. Kein Lebewesen verschwendet so viele Energieressourcen wie der Mensch, um am Ende doch krank zu werden, organisch oder mental. 

 

Loslassen, Zulassen, Einlassen.........einer weicher Weg, sich selbst zu begegnen......

Anlehnen, Wärme fühlen, Atmen.....

Berühren, Spüren, Verharren.......

Schweigen, Lauschen, Beobachten.....


Bündeln Sie Ihre Energie und, fahren Sie runter, atmen Sie durch und warten Sie ab.

Einem anderen Geschöpf ehrlich und authentisch zu begegnen, und es für sich zu gewinnen, kann niemals durch erfundene Techniken erreicht werden.
Viele Pferde oder auch Hunde sind in ihrem Wesen gestört, sie haben selten die Möglichkeit wirklich zu sein und zu ruhen. Weil auch sie entgegen ihrer Natur mit Einflüssen konfrontiert sind, die ihr Leben und Sein regelmäßig stören.

Wenn Dein Pferd nein sagt, hast du die Frage falsch gestellt, oder du hast die falsche Frage gestellt.

Wie vielen Pferden begegne ich, die ständig nein sagen. Es kann nicht nur an mir liegen.





Anrufen
Email